9.März in Mexiko – „Ein Tag ohne uns“

01.04.2021Aktionen in MexikoDiálogo del Mundo

10 Morde an Frauen, täglich. Fast alle Tötungsdelikte bleiben unaufgeklärt. [i] Damit ist Mexiko eines der gefährlichsten Länder für Frauen weltweit. Am 9. März treten die mexikanischen Frauen in den Generalstreik, um gegen Gewalt und Geschlechterdiskriminierung zu protestieren. [ii]

Das Motto des Tages lautet „Ein Tag ohne uns“. Mexikanische Frauen und Mädchen brechen an diesem Tag aus ihren traditionellen Rollen aus. Sie gehen nicht zur Arbeit. Aufgaben im Haushalt bleiben liegen. Auch das öffentlichen Leben muss ohne Frauen auskommen. Die Aktivistinnen wollen damit zeigen, wie das Land ohne die Leistungen der Frauen aussehen würde.[iii] Mit Erfolg. Laut „der Welt“ sollen es im vergangenem Jahr 30 Millionen Teilnehmerinnen gewesen sein.Viele Firmen konnten nur mit halber Kraft arbeiten. Märkte, Behörden und öffentliche Verkehrsmittel waren unterbesetzt und zeitweise nicht funktionsfähig. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Frauen wird auf diese Weise deutlich. Durch die Beeinträchtigung der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, generieren die Mexikanerinnen Aufmerksamkeit und können die vielen Missstände aufzeigen.

Dennoch bleiben die großen Ungerechtigkeiten in dem Land bestehen, werden durch die COVID-19-Pandemie sogar noch verstärkt. [iv] Quarantäne und Lockdown bedeuten für viele Frauen ihren Partnern ausgeliefert zu sein. Ein soziales Kontrollnetz welches unterstützen oder helfen könnte, bricht durch die Verminderung der persönlicher Kontakte weg. Unterstützung von Politik und Behörden gibt es nur unzureichend. Weniger als 10% der Vergehen gegen Frauen, wie Vergewaltigung, Missbrauch, Körperverletzung und Mord werden juristisch verfolgt. [v]

Neben den behördlichen Nachlässigkeiten, bekommen die Frauen auch von dem mexikanischen Präsidenten wenig Unterstützung. Andrés Manuel López Obrador unterstütze lange die Kandidatur eines Politikers, der wegen sexuellem Missbrauch angeklagt wurde.1 Er schiebt die vielen Frauenmorde auf die vorangegangene Regierung, obwohl die Fälle seit seiner Präsidentschaft zugenommen haben. 5

Auch die Aktivistinnen des „Colectiva 20 de Febrero“, mit denen wir in Kontakt stehen, fühlen sich nicht von der Politik unterstützt. Im Gegenteil. Die mexikanischen Schülerinnen berichten uns von Gewalt gegen Demonstrantinnen, welche vom politischen System mitgetragen werde. Sie schildern uns, dass sie kein Vertrauen in Politik und Behörden haben, da Gesetze oft nicht richtig durchgesetzt werden. Durch Korruption auf allen Ebenen und die fehlende Bereitschaft Frauen angemessen zu schützen und zu stärken, werden Bewegungen wie „Ni una menos“, Steine in den Weg gelegt. Die größte feministische Bewegung in den lateinamerikanischen Ländern, setzt sich für Frauenrechte ein und will den weiterhin zunehmenden Frauenmorden entgegenwirken.[vi] „Nicht eine weniger“ heißt die Bewegung übersetzt. Die vielen Frauen finden sich auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken zusammen. Sie fordern eine angemessene Strafverfolgung von Gewalttätern und die Beendigung der Gewalt. Ihr Ziel ist die Gleichstellung der Geschlechter. Dafür kämpft auch die Gruppe Colectiva 20 de febrero. In diesem Jahr sei es jedoch schwierig gewesen. Der „Tag ohne Frauen“ habe 2021 weniger mediale Aufmerksamkeit erregt, als im vergangenen Jahr. Aufgrund der COVID-19-Pandemie mussten viele Aktivitäten online stattfinden. Das erschwere die Interaktion und hemme die Beteiligung an dem Protesttag. Trotzdem haben die Schülerinnen online-Treffen organisiert, bei denen sich Frauen und Mädchen über ihre Erfahrungen austauschen konnten.

„Everyone has something to talk about. You can feel the pain everyone went through. Everyone has experienced something.“ Aussagen wie diese zeigen, wie drastisch die Lage für Mädchen und Frauen in Mexiko ist. Hinzu kommt, dass die meisten Männer und Jungen sich nicht für Feminismus und Gleichberechtigung interessieren. Die mexikanischen Schülerinnen erzählen uns, dass sie nicht ernst genommen werden. Sie werden ausgelacht oder gelten als hysterisch. Nur bei wenigen Männern gäbe es Verständnis für ihre Situation. Doch diese wollen sich oft nur als Helden und Beschützer inszenieren, wenn über Gewalt gegen Frauen gesprochen wird. Die jungen Frauen von Colectiva20febrero setzen sich für einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel ein. Sie sensibilisieren und decken Missstände auf. Darüber hinaus verbündet sich das Kollektiv mit anderen feministischen Gruppen. Die Kontakte gehen teilweise über die mexikanische Ländergrenze hinaus und sorgen für internationale Unterstützung und Solidarität. Gemeinsam wollen die Frauen selbstbestimmt für die notwendigen Veränderungen kämpfen.  

Eine entscheidende Aufgabe hierfür ist Gewaltprävention und Erziehung von gleichberechtigten Umgangsformen auf allen Ebenen der Gesellschaften.

Wir hören zu und diskutieren gemeinsam über die Gleichberechtigung der Geschlechter. Für unsere gemeinsame Welt, in der wir Rassismus, Diskriminierung und Ausbeutung entgegenwirken. Für eine pluralistische Weltgemeinschaft ohne Hass.

-AA


[i] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/frauenmord-mexiko-101.html

[ii] https://www.welt.de/politik/ausland/article206454501/Mexiko-Generalstreik-von-Frauen-gegen-Gewalt-und-Diskriminierung.html

[iii] https://www.tagesschau.de/ausland/mexiko-frauen-demos-101.html

[iv] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/zahl-ermordeter-frauen-in-mexiko-auf-neuem-hoechststand,S05D0N4

[v] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-03/femizide-mexiko-mord-frauenstreik-gewalt-gegen-frauen/seite-2

[vi] https://www.spiegel.de/politik/ausland/argentinien-feministische-bewegung-niunamenos-raus-macho-raus-a-1291920.html

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